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Rest-Ukraine – Dunkel, kalt und unbeirrbar

Ein Gastbeitrag von Evelin Piètza
(Edited/Bilder: Mark Bartalmai)

English Version

Es gibt einen Unterschied zwischen dem Donbass und der Rest-Ukraine – die Bomben auf die Städte. Ansonsten entwickelt sich die Gegend im Westen und in der Mitte des Landes rasant in eine extrem schlimme Richtung – natürlich vor allem für die Bevölkerung. Die Ukraine ist gerade dabei, mit Pauken und Trompeten vor die Hunde zu gehen und dabei zu erfrieren.

Die Ukraine friert…

….während das Ministerkabinett ihre Antirussischen Sitzungen in Russisch abhalten muss. Und dem Rest der Ukraine geht nur noch nach einem festgelegten Zeitplan ein Licht auf! na dann… „Salami Ukraine“ – oder so ähnlich …

Anti-Russisch auf Russisch

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Es soll ja ein besonders kalter Winter werden, so die Vorhersagen, aber in der Werchowna Rada prügelt man sich indes schon mal warm. Dabei kann man auch schon mal vergessen, dass der Rest des Landes aus dem Zittern nicht mehr raus kommt – vor Kälte und ohne Heizung vor allem. Gegen dieses Vergessen schreien jedoch die Menschen bereits so laut an, dass man es fast im kuschelig warmen Saal des Regierungsgebäude hören können müsste. In diesem Saal musste nun übrigens die erste Sitzung im Ministerkabinetts komplett in Russisch abgehalten werden, weil (man glaubt es kaum) nicht alle „neu-aus-dem-Ausland-importierten“ Mitarbeiter des Ministerkabinetts der ukrainischen Sprache mächtig sind. Somit war die anti-russische Regierung gezwungen, ihre Anti-Russland-Diskussion in Russisch zu führen. Höhö – na dann „Slava Ukraine“. Klappt ja ganz gut, würde ich mal sagen. (Achso, Jazenjuk hat erst versucht, das Problem mittels englischer Sprache zu lösen, aber die verstanden noch weniger.)
http://www.e-news.su/info/37057-premer-i-ministry-ukrainy-vynuzhdeny-obschatsya-na-russkom.html

Keine Kohle ohne Kohle

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Das mit der Kohle aus dem Donbass wird einfach nichts – also zumindest nicht so einfach, wie man es in Kiew gern hätte. Der Leiter des Kohlebergbaus der DNR versteht gar nicht, wie die in Kiew auf eine Summe von 2 Millionen Tonnen Kohle kommen, die sie angeblich noch in den Lagern des Donbass hätten und nur abholen müssten.

Davon weiß nämlich niemand etwas im Donbass und außerdem sind die so richtig sauer. Nicht nur, dass man ihnen das halbe Land zerbombt hat, man hat auch die halbe Bevölkerung verjagt – von den ganzen Opfern mal ganz abgesehen. Und jetzt will man denen die Lager leerräumen? Nee, da hat die „russisch-sprachige“ Rada wohl die Rechnung ohne die Wächter der Donbass-Lager gemacht. Denn die bleiben dabei – „keine Kohle ohne Kohle“.
http://www.e-news.su/news/37136-glava-ugolnogo-departamenta-dnr-my-ne-otdadim-kievu-ugol-besplatno.html

Jetzt versucht es Kiew erneut in Polen – auch wenn sie nun einsehen mussten, dass Polen der Ukraine die Kohle auf keinen Fall auf Kredit liefern wird – bleibt das wohl die letzte Alternative. Verhandlungen mit Russland laufen derzeit auch, aber es könnte sein, dass der Sommer schon in vollem Gange ist, bevor diese Verhandlungen abgeschlossen sind. Das Problem der Ukraine ist, dass sie irgendwie nicht versteht, dass sich nicht die ganze Welt dafür verantwortlich machen lässt, dass die Oligarchen in Kiew das Geld ausschließlich in die eigene Tasche wirtschaften und gewirtschaftet haben und nun die Bevölkerung in den sozialen Abgrund stürzt.

Für die Ukrainer ist es derzeit natürlich unmöglich, irgendwo im Land Kohle zu kaufen. Gar nicht gut, wenn man einen Ofen zu Hause hat, der einfach nicht warm werden will. Was macht man also? Richtig! Man geht in den nächsten Wald und besorgt sich Holz. Hm, schade nur, dass die Wälder der Ukraine alle in staatlicher Hand sind und daher Holz „klauen“ hart bestraft wird. Jetzt haben die Gerichte voll zu tun und die Leute weiterhin eine kalte Bude.

Das „Spar-(dir-dein-Volk)“-Paket

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Ja, der Ukrainer hat lediglich die Freiheit zu erfrieren… alles andere wird mehr und mehr ausgeschlossen. Zumindest braucht das Land jetzt fast eine eigene Holz-Beschützer-Armee. Aber wer soll das bezahlen? Naja, wird ja bald Geld gespart, denn das erste Reformpaket wurde gerade in der Rada zum Abschluss vorgelegt. Wenn das durch ist, dürfen die Ukrainer sich wohl die Art und Weise ihres Freitodes freiwillig auswählen, denn das hat es mal richtig in sich. Die Reduzierung der Schuljahre von jetzt 11 auf 9 zeigt ja schon die Richtung! Das Renteneintrittsalter wird mal eben für Männer um 10 und für Frauen um 5 Jahre angehoben. Wenn die nicht erfroren oder verhungert sind, erreichen sie also in Zukunft mit Mühe und Not die Rente. So kann man auch ein ganzes Volk umbringen. (Wir werden morgen mehr darüber berichten.)
http://www.e-news.su/in-ukraine/37116-ukraina-zamerzaet.html

„Gib mal Gas, Amerika!“

Das Gasproblem in der Ukraine ist ja auch noch nicht gelöst, also dachte man sich: fragt man doch den neuen Freund Amerika, ob man nicht Flüssiggas via Schiff von denen bekommen könnte. „Jaa“, sagten die, „gern doch. Kauft unser teures Gas und lasst euer Volk dafür verhungern“. Nun beginnt man emsig an einem – extra dafür entwickelten – Terminal im Hafen von Odessa zu bauen, welches im nächsten Jahre fertig werden soll. Alle freuten und drückten sich und träumten schon davon, dass der Russe bald dicke Tränen weinen wird, wenn die Ukraine von Amerika beliefert wird. Aber – upps – auf einmal gab es einen lauten Knall. Alle fingen an zu schreien. Oh Schreck, die Türkei sagte mal einfach so „NEIN! Keine Durchfahrtserlaubnis für noch mehr amerikanische Schiffe.“ Auweia, das gibt bestimmt bald Ärger, wenn der Türke jetzt den Spielverderber macht und Amerika gegen das Gasbein tritt. Sieht nach einer neuen amerikanischen Demokratie- und Freiheitswelle aus, die die Türkei bald erreichen wird.
http://www.morvesti.ru/detail.php?ID=30351

Dunkle Aussichten – Der letzte macht das Licht aus

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Aber ob das ganze Chaos in der Ukraine nun dazu führt, dass den Menschen dort ein Licht aufgeht, kann man getrost bezweifeln, denn auch dafür gibt es jetzt Sonderregeln. „Ukrenergo“ erklärte jetzt nämlich den neuen Stromfahrplan für die Ukrainer. Damit gibt es ab sofort neue Beschränkungen für den Verbrauch von Strom. Von jetzt an gibt es nur noch von 8.00 bis 11.00 und von 16.00 bis 22.00 Uhr Strom fürs Volk (Kiew natürlich ausgeschlossen – dort sind nur die mageren Randbezirke betroffen, nicht die Gegend in der die Elite des Landes lebt!)
http://www.e-news.su/news/36982-na-ukraine-vvodyatsya-ogranicheniya-elektropotrebleniya.html

Da haben es die „Abtrünnigen“ schon besser. Die Volksrepublik Lugansk hat es jetzt geschafft, ihre Stromversorgung umzustellen und ist somit von der Ukraine unabhängig. Damit fällt auch dieses Mittel der Erpressung seitens Kiew weg, denn in Zukunft bekommt Lugansk den Strom aus Russland.
In letzter Zeit gab es immer wieder Anschläge auf das Werk welches die Stromversorgung für Lugansk gewährleistet hat. Die Verrückten vom Bataillon „Aydar“ haben mehrmals damit gedroht, das gesamte Werk in die Luft zu sprengen. Jetzt können sie das ganz in Ruhe machen. Lugansk wird ihnen dabei sogar noch leuchten.
http://www.e-news.su/news/37087-lnr-respublika-obrela-polnuyu-energeticheskuyu-nezavisimost.html

Übrigens, gestern sickerte durch, dass es ab Januar 2015 eine neue Steuer von 30% auf Luxusgüter in der Ukraine geben soll, WENN der Käufer die HERKUNFT des Geldes NICHT NACHWEISEN kann. Die Ukraine nennt das „europäische Form der Besteuerung“ (??) und freut sich schon mal auf die Mehreinnahmen.
http://www.e-news.su/in-ukraine/37080-schet-za-evromaydan-ukraincam-grozit-30-nalog.html


Evelin Piètza

Evelin Piètza

Evelin Piètza

Journalistin, Publizistin, Fotografin

  • bereits seit 30 Jahren politisch aktiv
  • seit 20 Jahren vorwiegend mit den Konflikten und Kriegen der ganzen Welt beschäftigt
  • seit mehr als 10 Jahren in Publizistik tätig

 

Motivation:
“Das Leid dieser Welt. Wenn man es nicht mehr sehen kann, sollte man erst recht nicht wegschauen! Mein Fokus liegt vornehmlich auf der Friedenspolitik, wobei ich da dem Grundsatz folge, dass man sich intensiv mit den Kriegen dieser Welt auseinander setzen muss, bevor man den Frieden erreicht bzw. über ihn reden kann. Denn ich bin der Meinung, dass nur eine umfangreiche Aufklärung der Menschen es möglich machen wird, dass sie sich immer weniger instrumentalisieren lassen. Was dann zur Folge hätte, dass Kriege so einfach nicht mehr durchführbar wären. Durch meine Arbeit als Friedensaktivistin konnte ich mir im Laufe der Jahre ein sehr umfangreiches Netzwerk aufbauen und stehe daher mittlerweile in Kontakt mit deutschsprachigen Aktivisten aus 23 Ländern dieser Welt sowie mit über 30 unabhängigen Journalisten. Und dieses unersetzbares Netzwerk bereichert mein Wirken natürlich sehr”.
Evelin Piètza

Kategorien:Deutsch, Ukraine

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